Zwischen Anpassung und Aufbruch
Ausgangslage: Zwischen Funktionieren und innerer Leere
Meine Klientin stellte beruflich wie privat vieles infrage: „Was mache ich hier eigentlich – und wo möchte ich überhaupt hin?“ Im Alltag funktionierte sie nach aussen gut, innerlich jedoch war da eine grosse Unzufriedenheit und der Eindruck irgendwie festzustecken.
Der Wunsch nach Ankommen: Wieder bei sich selbst sein
Zu Beginn unserer Zusammenarbeit erarbeiteten wir ihren Wunschzustand: „Ich fühle mich angekommen und in mir ruhend – im Job und bei mir.“
Dieser Satz berührte sie. Er war nicht nur ein Ziel, sondern auch eine Erinnerung an ein Gefühl, das sie früher bereits einmal hatte. Auch ihre beste Freundin erinnerte sich an diese Zeit. Damals war sie einfach glücklich.
Gemeinsam begannen wir, diesen Zustand greifbarer zu machen. Mit inneren Bildern und der Arbeit mit ihrem „inneren Visionär“ entstand ein Raum für Fragen wie:
Was gibt mir wirklich Energie?
Wann fühle ich mich lebendig?
Wo entsteht Leichtigkeit – auch im Kleinen?
Dabei zeigte sich schnell: Es müssen nicht immer grosse Veränderungen sein. Oft sind es kleine bewusste Entscheidungen im Alltag, die bereits einen Unterschied machen – ein Spaziergang ohne Handy, ein Moment für Kreativität, ein bewusstes Nein.
Die berufliche Realität: Spannung im System
In unseren weiteren Sessions rückte ihre aktuelle Jobsituation stärker in den Fokus. Besonders die Beziehung zu ihrer Vorgesetzten war geprägt von Spannungen und wiederkehrenden Konflikten.
Die Klientin beschrieb Situationen, in denen sie sich übergangen, nicht gehört oder sich unter Druck gesetzt fühlte. Zuhause und teilweise auch bei der Arbeit reagierte sie sehr emotional und die Tränen flossen.
Um die Dynamik besser zu verstehen, arbeiteten wir mit einer Aufstellung. Die Klientin stellte sich selbst und ihre Chefin im Raum auf und konnte so die Beziehung auf einer anderen Ebene erkunden.
Was sichtbar wurde: Neben Distanz und Abgrenzung entstand auch ein Stück Verständnis für die Unsicherheit und Rolle ihrer Vorgesetzten. Gleichzeitig wurde ihre eigene innere Haltung klarer: „Ich möchte klar sagen, was ich denke – und ich darf Grenzen setzen.“
Diese neue Position fühlte sich zunächst ungewohnt, aber auch stärkend an.
Der innere Konflikt: Ein tiefer Glaubenssatz
Trotz dieser positiven Entwicklung erzählte sie immer wieder von Situationen und Begegnungen aus denen sie unzufrieden rausging. Wir konnten einen zentralen Glaubenssatz sichtbar machen:
„Nur wenn ich mich um alle anderen sorge und meine Bedürfnisse zurückstelle, werde ich geliebt.“
Diese Erkenntnis war ein Wendepunkt. Sie traf die Klientin sehr. Zunächst war sie einfach sehr traurig, später aber auch wütend darüber, wie lange dieses Muster ihr Denken und Handeln schon geprägt hatte.
Die Veränderung: Vom Erkennen ins Erleben
In der weiteren Arbeit begannen wir, diesen Glaubenssatz nicht nur kognitiv zu verstehen, sondern im Erleben zu verändern.
Wir arbeiteten mit inneren Dialogen und Perspektivwechseln:
Was würde passieren, wenn sie sich selbst genauso wichtig nimmt wie andere?
Wie fühlt sich Beziehung an, wenn sie sich selbst nicht zurückstellt?
Schritt für Schritt entstanden neue innere Sätze, die sich vorsichtig, aber erfolgreich etablieren konnten:
„Ich darf mich selbst wichtig nehmen.“
„Meine Bedürfnisse haben Platz.“
„Ich darf Grenzen setzen, ohne Liebe zu verlieren.“
Die Veränderung im Alltag: Mehr Klarheit und innere Stabilität
Heute ist sie bewusster in ihren Entscheidungen, klarer in ihrer Kommunikation und achtsamer mit ihren eigenen Bedürfnissen.
Mit der Zeit veränderte sich ihre Wahrnehmung spürbar. Situationen im Job lösten weniger automatische Überreaktionen aus, und sie begann, bewusster innezuhalten - bevor sie reagierte.
Ergebnis: Von Selbstanpassung zu Selbstwahrnehmung
Das Coaching führte sie Schritt für Schritt weg von Anpassung hin zu mehr Selbstwahrnehmung, innerer Klarheit und dem Mut, sich zu positionieren.
Learnings für dich: Was du aus dieser Coaching Story mitnehmen kannst
(Über-)Anpassung entsteht oft aus tiefen inneren Glaubenssätzen
Veränderung beginnt mit Wahrnehmung, nicht mit Aktion
Grenzen setzen bedeutet nicht Verlust von Beziehung
Kleine innere Verschiebungen verändern das gesamte Erleben